Durch Lappland zum Nordkap

Andreas Hartmann hat diese Radreise lange vor dem Start detailliert geplant und sich letztlich für die Variante durch das finnische Lappland und Nordnorwegen entschieden. Das Erlebnis Mitternachtssonne ist dabei eines der faszinierendsten Eindrücke. Der Start erfolgt im finnischen Küstenort Kemi am Bottnischen Meerbusen. Die Strecke führt über Rovaniemi, Kittilä, Inari, Karigasniemi, Lakselv und entlang des Porsangerfjord und der Eismeerküste. Die anspruchsvolle Tour endet nach 1.000 gefahrenen Kilometern am Nordkap, dem nördlichsten Punkt Europas unter der Mitternachtssonne. Selbstverständlich gehört auch ein abschließender Besuch beim Weihnachtsmann-Original im finnischen Rovaniemi am Polarkreis zur Reise durch den hohen Norden.


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Die heutige Etappe wird etwas entspannt, denke ich. So etwa 130 km stehen auf dem Plan. Das Frühstück steht im Zimmer und ist in zahlreichen Plastikdosen versteckt. Er ist aber ausreichend und vielseitig. Ich war wohl letzte Nacht der einzige Gast in dieser relativ großen Ferienanlage. Der Tag beginnt sonnig bei 20 Grad. Ich zahle mein Zimmer und starte um 8:45 Uhr. Zunächst fahre ich den falschen Weg und komme nach 2 km wieder am Hotel vorbei. Gestern Abend habe ich den Weg bei den kräftigen Regenwetter kaum beachtet. Der Wegweiser zeigt 30 km bis Inari. Ich nehme mir heute Zeit, denn es sollte ja nicht so anstrengend sein. Die Straße ist wie gewohnt menschenleer. Wenige km vor Inari sehe ich einen Wegweiser zu einer Rentierfarm. Das interessiert mich. Ich biege rechts ab und in wenigen Minuten bin ich dort. Der Besitzer gibt mir zu verstehen, dass erst ab 15 Uhr geöffnet ist. Er will 5 Euro für Fotos und gewährt mir Eintritt. Ich betrete das weitläufige eingezäunte Gelände, auf dem sich die Tiere aufhalten sollen. Ich laufe ein großes Stück dort hinein und sehe leider keine Tiere. Nur Tausende Mücken haben es auf mich abgesehen. Pech gehabt denke ich mir und verlasse das Gehege. Draußen betrachte ich die rustikalen Finnkottas und spreche mit einer Frau, die mit der Beseitigung der nächtlichen Feier beschäftigt ist. Ich sage „Not Rentier“! Daraufhin holt sie ihren Sohn, der mit mir in das Gehege geht und zweimal mit einem Stockauf einem Baumstamm schlägt. Das Zeichen muss man eben kennen. Er drückt mir ein Säckchen Pellets in die Hand und wie aus dem Nichts kommen etwa 20 Tiere des Wegs. Ich habe meine Not, sie alle zu versorgen. Der Junge macht davon ein paar Fotos. Das hat sich doch gelohnt. Der Mann erzählt mir einiges zur Farm und zeigt mir abschließend eine typische Cota und wünscht mir auf meiner Fahrt zum Nordkap weiterhin viel Glück. Jetzt weiß ich auch, warum gestern die Sirene ertönte. An den Grenzen der Rentierfamen sind Bewegungsmelder angebracht, die die Tiere durch die lauten Signale vor den Fahrzeugen warnen sollen. Dazu gehören eben auch Radfahrer. Etwa eine halbe Stunde später kommt wieder ein recht großes Rentier auf die Fahrbahn gelaufen. Dieser ist ganz besonders fotogen.

Um 11 Uhr komme ich nach Inari. Meine Zeitplanung hat sich zwar heute durch den Besuch der Farm etwas verzögert, aber so etwas gehört eben auch dazu. Als erstes genieße ich einen herrlichen Ausblick auf einen Joki, der direkt in den Inarisee fließt. Zum Glück kommt dazu noch die Sonne raus. Ich verweile fast eine Stunde an dem See, kaufe ein paar Karten, ein Eis und ganz wichtig: „Das beste Moskitospray Finnlands“. Das sagt jedenfalls die Verkäuferin.

Der Wegweiser nach Karagasniemi zeigt 98 km. Bisher stehen gerade mal 37 auf meinem Tacho. Ich sehe es entspannt. Der Tag ist lang. Eigentlich geht er ja gar nicht zu Ende. Ich sehe wieder die typischen Wildwechsel-Warnschilder, die für ganz Lappland gelten. Es dauert auch nicht lange bis sich wieder ein paar Rentiere zeigen. Langsam wird es zur Gewohnheit. Seltener als Rentiere sind Radfahrer mit vollen Gepäcktaschen. Es ist diesmal ein Finne, der ziemlich unkonventionell reist. Altes Fahrrad, alter Rucksack, jünger ist nur der Fahrer.

Gegen 13:30 Uhr komme ich an einem Souvenirstand mit lappländischen Artikeln vorbei. Es sieht interessant aus, aber ich brauche heute davon nichts. Die Landschaft ist durch die leichten berge abwechslungsreicher als manch ein Streckenabschnitt der Vortage. Dies fordert auch seinen Tribut. Die Kräfte schwinden heute etwas. Spätestens an der Kreuzung nach Karagasniemi werden mir die noch zu strampelnden 66 km bewusst. Das ist eben alles Kopfsache. Den Tag habe ich einfach unterschätzt. Das Erfreulichere steht aber auch auf diesem Schild. 343 km bis zum Nordkapp. Erstmals lese mein Ziel auf einem Wegweiser.

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